
1. Vorwort
Wer an Sportfotografen denkt, dem kommen meistens zunächst die Männer mit den großen weißen Rohren am Spielfeldrand der Bundesliga ins Gedächtnis, deren Namen man nur selten kennt, deren Bilder aber tagtäglich mit Kürzeln wie „dpa“ oder „reuters“ versehen in der Zeitung erscheinen. Und für nicht wenige ambitionierte Hobbyfotografen ist es der größte Traum, selbst mal neben den Profis bei hochklassigen Spielen an der Bande zu sitzen.
Damit verbunden ist oft der Irrglaube, dass man überhaupt erst dort anfangen könne, gute Sportfotos zu machen, herrscht doch nur in Bundesliga-Stadien ein fototaugliches Flutlicht, sehen doch Zuschauer im Hintergrund viel besser aus als der Kraut- und Rüben-Acker hinter dem örtlichen Bolzplatz und macht ein Oliver Kahn als Motiv doch einfach viel mehr her als der Huber Seppi vom Heimatverein.
Diese Meinung verkennt aber schlicht folgendes: In der Sportfotografie ist es wie fast überall, man fängt ganz unten an. Kaum einer der Profis hat in der Bundesliga begonnen und krönt das dann noch mit Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Nein, die allermeisten haben ganz unten angefangen und sich mühsam hochgearbeitet. Haben mit hochklassigen Portfolios aus unteren Ligen den Zugang zu den hohen gefunden. Denn wer bei Kreisklassen-Partien der Lokalkicker gute und aussagekräftige Bilder zustande bringt, der schafft es auch in der Champions League. Kreativität und der Blick für den richtigen Moment sind Vorraussetzung von Anfang an, keine Eigenschaft die sich direkt proportional zur Liga-Höhe ganz von selbst steigert.
Ein aussagekräftiges Foto von einem unbekannten Sportler in einer niedrigeren Liga macht sich im Portfolio immer besser als das Bild eines simpel abfotografierten Spitzensportlers, das nur von der Prominenz des Motivs statt von zeigenswertem Bildinhalt oder kreativer Gestaltung lebt. Man sollte sich also nicht von dem verleiten lassen, was der Wirtschaftswissenschaftler Jeremy Rifkin einmal unter dem Begriff der Zugangsgesellschaft formuliert hat:
Um sich zu unterscheiden und sich selbst hervorzuheben, sind Mode, Schmuck, Markenartikel heute immer noch wichtig. Ein noch wichtigeres Statussymbol aber ist es, zu exklusiven Erlebniswelten zugelassen zu werden.
Die Exklusivität des Blicks auf einen Spitzensportler ist in der Sportfotografie aber kein Vergleich zur Exklusivität kreativer, emotionaler oder Actiongeladener Bilder, denn letztere verlangen tatsächliches Können statt der bloßen Anwesenheit bei einer bestimmten Veranstaltung. Deshalb werden in dieser Einführung auch fast nur Bildbeispiele aus Amateurklassen oder von Positionen gezeigt, die für jeden Zuschauer problemlos zugänglich sind.
Womit wir beim Aufbau dieser kleinen Einführung in die Sportfotografie angelangt wären. Das wichtigste soll gleich zu Anfang kommen: Der Inhalt und Bildaufbau guter Sportfotos. Dann kommen wir zu einem Punkt, dessen Wichtigkeit gerade in der Sportfotografie nicht zu verleugnen ist, deren Rolle aber auch schnell überschätzt wird: Die Ausrüstung und Technik. Übrigens wird bei dieser Einführung zumeist von digitalen Spiegelreflexkameras ausgegangen, allerdings können viele der technischen Hinweise auch auf analoge Kameras und digitale Kompakt- oder Bridgekameras übertragen werden.
Anschließend soll noch auf einige ausgewählte Sportarten im Detail eingegangen und darauf zugeschnittene Tipps dargestellt werden, bevor wir zu dem kritischen Punkt der Nachbearbeitung der Bilder und zum angemessenen Verhalten am Sportplatz kommen.