Sportknipser.de Logo

3. Technik und Ausrüstung

3.1. Die Basics: Verschlusszeit, Blende und ISO

Verschlusszeit und Blende sind dabei wesentliche Gestaltungselemente eines Bildes, von deren Einstellungen man höchstens eines der Kameraautomatik überlassen sollte. Die besten Einstellungen der Kamera sind also die Zeitautomatik AV (man gibt die Blende und ISO vor, die Kamera errechnet je nach eingestelltem Messmodus die passende Verschlusszeit), die Blendenautomatik TV (man gibt Verschlusszeit und ISO vor, während die Kamera je nach Messmodus die passende Blende für ein korrekt belichtetes Bild errechnet) oder der Manuelle Modus, in dem sämtliche Einstellungen von Hand vor nimmt.
Alle drei Modi haben ihre spezielle Daseinsberechtigung und eignen sich je nach Bildidee und äußeren Bedingungen mehr oder weniger gut. Die Zeitautomatik AV empfiehlt sich dann, wenn man durch eine selbst eingestellte Blende einen bestimmten Effekt bei nicht konstanten Lichtbedingungen erzielen möchte, zum Beispiel einen durch möglichst offene Blende freigestellten Spieler. Dabei sollte man die ISO jeweils so anpassen, dass die Kamera immer eine ausreichend kurze Verschlusszeit zum Einfrieren des Motivs errechnen kann.
Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de
Die lange Verschlusszeit wurde in diesem Bild eingesetzt, um einen grafischen, verwischten Effekt zu erzielen. (16mm, Blende 4.5, 1/25s, ISO 400)
Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de
Die Blendenautomatik TV kann dann die bessere Wahl sein, wenn Blende und Freistellung relativ egal sind und dafür eine bestimmte Verschlusszeit als Gestaltungsmittel dienen soll. So kann man zum Beispiel eine relativ lange Verschlusszeit einstellen, um von einem schnell bewegten Motiv einen Mitzieher zu machen, bei dem alles Unbewegte außen rum verwischt. Dabei spielt die Blende insofern keine große Rolle, als dass außer dem Protagonisten durch den Wischeffekt ohnehin nichts scharf abgebildet wird. Die Blende wird dann jeweils von der Kamera errechnet, bei wechselnden Lichtbedingungen können also durchaus unterschiedliche Werte bei konstanter vorgegebener Verschlusszeit zu richtig belichteten Bildern führen.
Hat man dagegen gleich bleibende Lichtbedingungen, zum Beispiel bei künstlicher Beleuchtung in Sporthallen oder bei Flutlichtspielen, dann empfiehlt sich der manuelle Modus. Hat man die richtigen Einstellungen gefunden kann man konstant belichtete Aufnahmen machen, während sich die Messautomatik durch unbedeutende Helligkeitsunterschiede aus der Fassung hätte bringen lassen. Gibt es allerdings signifikante Helligkeitsunterschiede auf dem Platz, zwischen denen man häufig wechselt, kann manuelles Nachstellen mühsam sein, hier empfiehlt sich wieder eine der beiden Teilautomatiken.
Eine in jedem der drei Modi manuell vorzunehmende (auch wenn neuste Kameramodelle teilweise schon Automatiken bieten) Einstellung ist allerdings die ISO-Zahl. Diese Empfindlichkeit, die man im Gegensatz zur analogen Fotografie mit Film heute von Aufnahme zu Aufnahme denkbar einfach variieren kann, wird mit jeder Kamerageneration etwas ausgeweitet und hat entscheidende Bedeutung gerade im Sport. Wenn man Action einfrieren will benötigt man eine bestimmte Verschlusszeit, die bei den meisten Ballsportarten 1/500s oder sogar noch kürzer sein sollte. Diese zu erreichen ist selbst mit Blende 2.8 oder lichtstärker mit der niedrigsten Empfindlichkeit höchstens bei Sonnenschein möglich. Bewölkung oder gar künstliche Beleuchtung erfordern dagegen immer höhere ISO-Zahlen, um mit den entsprechenden Mindestvorgaben noch richtig belichtete Bilder zu erzeugen. Gerade kleinere Sporthallen und lokale Fußballplätze bieten meist eine unglaublich schlechte Beleuchtung, mit der das menschliche Auge noch gut zu Recht kommt, die das Fotografieren allerdings zum Graus machen kann. Wenig Licht kann man zum einen natürlich ausgleichen durch längere Verschlusszeiten, wodurch man aber Bewegung oft nicht mehr einfrieren kann. Eine andere Möglichkeit bieten Objektive mit mehr Lichtstärke, die durch ihre offenere Blende mehr Licht auf den Kamerasensor bringen und auch noch den oft gewünschten Nebeneffekt einer besseren Motivfreistellung bieten. Solche Objektive sind allerdings oft sehr teuer und schwer, auch benötigt man doch meistens eine „Mindestschärfentiefe“ um auch das ganze Motiv scharf abbilden zu können, zumal bei schlechten Licht auch der Autofokus Schwierigkeiten hat und so der hintere Fuß noch in der Schärfebene liegen kann, während der Oberkörper eines Spielers schon aus dieser herausgelaufen ist.
Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de
Handball unter schlechtesten Lichtbedingungen: Selbst mit einem Kameragehäuse aus dem Jahre 2004 lassen sich mit ISO 3200 noch sehr brauchbare Ergebnisse erzielen. Aktuelle Gehäuse wurden in diesem Punkt nochmal um einiges verbessert. (200mm, Blende 2.0, 1/800s, ISO 3200)
Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de
Es ist bei schlechtem Licht also meistens nötig, die ISO-Empfindlichkeit entsprechend nach oben anzupassen, was den Effekt des Bildrauschens mit sich bringt. Dazu sei aber erwähnt, dass heutige Kameras ohnehin eine hervorragende Bildqualität auch bei hohen ISO-Zahlen wie 1600 bieten, so dass bei normalen Ausbelichtungen das Rauschen eh kaum störend wahrgenommen wird. Zum anderen ist es doch meistens besser überhaupt ein scharfes und richtig belichtetes Bild zu haben, als gar keines oder ein durch zu lange Verschlusszeit verwischtes.
Ein beliebter Anfängerfehler aus Angst vor Bildrauschen durch hohe ISO-Empfindlichkeit ist auch das Unterbelichten von Bildern. Dazu sei gesagt, dass ein richtig belichtetes Bild mit ISO 1600 immer noch weniger Bildrauschen aufweist, als ein zwei Blenden unterbelichtetes Bild mit ISO 400, dass dann am Computer wieder um die verlorenen zwei Blenden nach oben gezogen werden muss. Man sollte also keine Angst vor Bildrauschen haben, das verglichen mit Hochempfindlichen Analogfilmen bei heutigen digitalen Spiegelreflexkameras ohnehin harmlos ist und von Kamerageneration zu –generation besser wird, sondern lieber vor verpassten oder vermasselten Motiven wegen zu zaghafter ISO-Einstellung.