3. Technik und Ausrüstung
3.2. Die Fortgeschrittenenübung: Blitzen

Durch die sehr lange Verschlusszeit von 1/10s wurde der Lichteffekt der roten Scheinwerfer eingefangen und durch das Mitziehen der Kamera Dynamik ins Bild gebracht, mit dem Blitz auf den zweiten Verschlussvorhang die Fahrer kurz eingefroren um einen scharfen Bezugspunkt herzustellen. (16mm, Blende 4.0, 1/10s, ISO 400)
Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de
Ein letzter das Licht und die Belichtung betreffender Punkt ist das Blitzen. Gerade in schlecht beleuchteten Sporthallen hierzulande ist er nicht selten anzutreffen, der rasende Reporter mit Systemblitz auf der Kamera, der ungeachtet aller roter Augen, reflektierender Trikots, Schlagschatten an der Wand und unnatürlicher Farben alles blitzt, was sich bewegt. Die Versuchung dafür ist natürlich groß, benötigt man doch ohne Blitz mindestens eine sehr hohe ISO-Empfindlichkeit mit dem damit verbundenen Rauschen, oft auch noch lichtstarke Objektive. Einige Nachteile der Blitzerei in Sporthallen wurde bereits angesprochen: Während sich der Rote-Augen-Effekt noch technisch vermeiden lässt, sehen reflektierende Trikots dagegen immer unnatürlich aus, ihre Farben wirken zwar knallig, sie entsprechen aber nicht mehr der Realität. Verbunden mit etwas Restlicht von der Hallenbeleuchtung ergibt sich zudem ein suspektes Mischlicht mit seltsamen Farben, das aber immerhin durch den Einsatz von passenden Farbfolien auf dem Blitz vermieden werden könnte. Was aber immer bleibt ist die unnatürliche Beleuchtung, ist das menschliche Auge doch Licht von oben und nicht von vorne gewohnt. Auch harte, je nach Entfernung der Wand teils riesige Schlagschatten sehen selten gut aus. Auch nicht zu verachten ist der Störungseffekt für die Sportler: Was bei menschlichen Sportlern vielleicht verärgerte Reaktionen hervorruft kann bei tierischen Gefährten wie Pferden sogar zu höchst gefährlichen, unvorhersehbaren Reaktionen führen.

Dieses Bild wurde so dunkel belichtet, dass von der Beleuchtung einer langweiligen Mehrzweckhalle nur noch die Leuchtstoffröhren selbst zu sehen sind. Zusätzlich wurde mit einem Systemblitz von rechts die Spielerin und der Korb angeblitzt, sie scheinen nun in einem futuristischen Raum zu schweben. (16mm, Blende 8.0, 1/250s, ISO 100, entfesselter Blitz von rechts)
Foto: Benedikt Altschuh / actionpixel.de
Dem unnatürlichen Beleuchtungseffekt entgegen wirken kann man übrigens mit so genannten Deckenblitzen, die ihr Licht genauso wie Hallenbeleuchtungen von oben auf das Geschehen werfen, was zu einem optisch natürlicheren Empfinden führt. Dazu reichen allerdings gewöhnliche Aufsteckblitze in der Regel nicht aus, um die nötige Leistung zu erzielen braucht es schon Studioblitze mit mehreren Hundert Watt um das Licht aus mehreren Metern Höhe auf zumindest einen Teil es Spielfeldes zu verteilen. Wer einen derart, auch finanziell hohen Aufwand betreibt, weiß allerdings was er tut und wird diese Einführung kaum nötig haben. Nicht nur für den Amateur, auch für die allermeisten Profis hierzulande ist diese Möglichkeit eher uninteressant, weswegen sie hier nur als Möglichkeit erwähnt aber nicht näher beschrieben wird.
Bei einigen Actionmotiven sind aber auch Systemblitze durchaus brauchbar: So gehört zum Beispiel bei Bahnradrennen (Sechs-Tage-Rennen, etc.) der Mitzieher mit Blitz auf den zweiten Verschlussvorhang inzwischen zum Standard-Repertoire. Auch bei Fun-Sportarten wie Skate- oder Snowboarding sind Blitze gang und gäbe, hier wird zumeist mit mehreren gearbeitet um den Protagonisten besonders spektakulär durch den Beleuchtungseffekt freizustellen (auch wenn hier je nach Anforderung häufig schon wieder mit portablen Studioblitzen gearbeitet wird). Für Pressekonferenzen und ähnliches sind Aufsteckblitze dagegen häufig unverzichtbar.
Um den richtigen Umgang mit Systemblitzen am Beispiel von Canons ETTL-Technik zu lernen ist folgender Link empfehlenswert:
www.ettl-blitzen.de. Für alle anderen Systeme gibt es im Fachhandel auch eine Fülle an Literatur, die durchaus empfehlenswert ist um den richtigen Umgang mit der teils sehr komplexen Technik zu erlernen und die gebotenen Möglichkeiten auch auszureizen.